Festrede im Rahmen des Bergfestes zum 60-jährigen Jubiläum des JGV Olpe e.V.

Im Rahmen des Bergfestes der Hundeführerlehrgänge hat es sich unser Schriftführer Alexander Schmidt nicht nehmen lassen, zum Anlass des 60 jährigen Vereinsbestehens eine kleine Festrede vor den Gästen zu halten. Diese wollen wir nun im folgenden Text sinngemäß veröffentlichen:

Festansprache zum 60-jährigen Bestehen des JGV Olpe am 18.07.2015 auf dem Gelände des SV Olpe

Liebe Freundinnen und Freunde des Jagdgebrauchshundes, liebe Gäste, meine Damen und Herren.

Es waren 19 Jäger bzw Jagdgebrauchshundefreunde die neben dem Bracken- und Teckelclub einen weiteren Verein für Jagdhunde gründeten. Man traf sich am 12.02.1955 in Altenhundem. Das Ziel war einen Verein ins Leben zu rufen der Vollgebrauchshunde zur Verfügung stellte, Prüfungen abhielt und wenige Jahre später auch Lehrgänge anbot.
Der erste 1. Vorsitzende war Karl Hornberger aus Oberhundem, der Schriftführer Bernhardt Kirchhoff aus Altenhundem und der Schatzmeister Hubert Lenneper aus Würdinghausen.

Der Antrag auf Mitgliedschaft im JGHV wurde am 25. März 1955 gestellt. Der Vorstand des JGHV hatte abgestimmt und es gab keine Einwände zur Aufnahme. Allerdings war eine Mindestmitgliedszahl von 40 Personen notwendig die zu diesem Zeitpunkt aber nicht nachgewiesen werden konnte. Also musste zu einem späteren Zeitpunkt ein erneuter Antrag gestellt werden.

Am 27.Oktober 1959 schreibt der damalige Schriftführer an den JGHV, dass der Verein inzwischen 55 Mitglieder habe trotz „Konkurrenz durch den Brackenclub“. Die Zugehörigkeit wurde dann zum 1. Januar 1960 bestätigt.
Die erste Gebrauchsprüfung wurde schon 1958 abgehalten.

Am 18.01.1961 wird dem JGHV mitgeteilt, dass der Verein nun 71 Mitglieder hat, davon sind 14 Berufsjäger.
Nun darf man sich die Vereinsgründung in der damaligen Zeit nicht so einfach vorstellen. Ich war gerademal dreieinhalb Jahre jung und kann mich nur noch vage an die damaligen Verhältnisse erinnern. Die Bedingungen waren ungleich schwieriger als heute. Es gab nur ganz wenige Autos und noch weniger Telefone, an Computer gar nicht zu denken.

Wen wundert es, wenn man in den Annalen liest, dass eine Versammlung am Nachmittag stattfinden soll, weil man zur Heimfahrt den Bus um 19.12 Uhr von Altenhundem nach Kirchhundem noch erreichen muss.
Telefone: Mangelware! Schriftverkehr war angesagt, mit Blaupause und Durchschlag. Postleitzahlen gab es noch nicht. Einen Brief an eine Adresse in beispielsweise Rönkhausen zu schicken verlangte die Angabe: -Rönkhausen über Finnentrop/ Kreis Olpe/Sauerland oder i. Westfalen.
Die Obrigkeit wurde geachtet! Ein Brief des Schriftführers an den 1. Vorsitzenden wurde mit „Ihr sehr ergebener„ unterschrieben.

Am 05.02.1968 schreibt der damalige 1. Vorsitzende, ein Attendorner Unternehmer, an den Schriftführer, dass er ab der nächsten JHV nicht mehr für das Amt zur Verfügung steht und an der Versammlung nicht teilnimmt. Seine Begründung, Zitatanfang: „Damit für die Ersatzwahl für meine Person die absolute Freiheit besteht und dadurch die Wahl erleichtert wird“. Zitatende. Elmar, ich teile dir auf diesem Weg schon jetzt mit, dass ich an der JHV 2017, aus vorgenannten Gründen, nicht teilnehme.

Bei dieser Gelegenheit bleibt zu erwähnen, dass keine andere Position im geschäftsführenden Vorstand so oft gewechselt wurde wie die des Schriftführers obwohl Bernd Theile-Ochel dieses Amt 35 Jahre ausgefüllt hat.
Die Verbindung zwischen JGV und der Kreisjägerschaft ist als vorbildlich zu bezeichnen. Beispielhaft ist ein  Kondolenzschreiben aus dem Jahr 1992 an die Witwe eines verstorbenen Unternehmers der sowohl Mitglied in der Kreisjägerschaft als auch im JGV war.

Auf dem Briefbogen der Kreisjägerschaft unterschreibt links Dr. Alfred Holthoff -1. Vorsitzender- und rechts, Paul-Heinz Wacker - Schriftführer. Gleichzeitig gibt Paul-Heinz Wacker auch den Titel -1. Vorsitzender des JGV- an.
Das nenne ich Zusammenarbeit und Arbeitsteilung!

Apropos Paul-Heinz Wacker: Er ist der einzige noch lebende, ehemalige  1.Vorsitzende. Er hat dieses Amt von 1973 bis 1997, somit 24 Jahre, ausgefüllt. Zudem war er Schriftführer von 1969 bis 1973. Geradlinig wie er ist hat er damals die Wahl zum  Ehrenvorsitzenden nicht angenommen, er hatte wohl seine Gründe. Wir haben die Entscheidung akzeptiert aber sehr bedauert. Wer ihn in den Jahren seiner Tätigkeit erlebt hat, weiss was der Verein an ihm hatte.

1989 kam die Genehmigung zum Bau unseres Hundeteiches obwohl der BUND ein ablehnendes Gutachten erstellt hatte. Name ist Programm, unterschrieben war die Stellungnahme von einer Frau -Ungemach! Seither ist in diese Teichanlage immer wieder investiert worden, in diesem Jahr in eine massive Holzkonstruktion als Wetterschutz bei Lehrgängen und Prüfungen. Auf Grund der hohen Teilnahme bei Lehrgängen und  Prüfungen haben wir uns Gedanken gemacht ob wir einen zweiten Teich als Ausweichmöglichkeit brauchen. Hat uns Minister Remmel mit seiner neuen Jagdgesetzgebung nun eine Entscheidung abgenommen?

Die Mitgliederzahl unseres Vereins ist seit Gründung 1955 stetig gestiegen. Berichtet Bernd Theile-Ochel in seiner Festansprache zum 50-jährigen Jubiläum von 300 Mitgliedern, so können wir heute feststellen, dass wir nicht weit von 400 Vereinszugehörigen sind, obwohl wir vor etwa 4 Jahren einen Aderlass hatten weil Nicht- und Schlechtzahler aus dem Adressregister genommen wurden.

Das regionale, besser gesagt das überregionale Einzugsgebiet unseres Vereins erstreckt sich von Münster bis Dillenburg, von Bergheim bis zum HSK. Ein grober Überblick sei erlaubt. So kommen aus den einzelnen Bereichen folgende Zahlen zustande:

Attendorn 53 Mitglieder
Drolshagen 52          
Finnentrop 29
Kirchhundem 14
Lennestadt 36
Olpe 59
Wenden 18
HSK 3
Märkischer Kreis 23
Oberberg 59
Siegen 15 und Sonstige 19

Warum nehmen Hundeführer und Hundeführerrinnen Entfernungen von Münster, Unna, Schwerte, Köln oder Dillenburg in kauf um wöchentlich an den Lehrgängen und später an den Prüfungen teilzunehmen?
Liegt es an der geselligen Atmosphäre, an den uns zur Verfügung stehenden Prüfungsrevieren oder an der qualifizierten Unterweisung in den Lehrgängen?

Wir sind in der glücklichen Situation Revierpächter zu haben die uns großzügig ihre Jagdgebiete zur Verfügung stellen. In unserer heimischen Region sind das, Dr. Manfred Kreuzer, Elmar Huhn, Paul-Martin Reuber, Heinz-Albert Schürholz, Ulrich Metten, Rainer Irmler, das Revier Schnepper sowie Ludger Bock, in dessen Revier zusätzlich der Hundeteich liegt.

Mit Niederwildrevieren sieht es gleichwohl genauso gut aus. Neben Revieren in Ascheberg, Herbern, Rheine und Sinzenich, steht seit diesem Jahr ein weiteres Revier in der Nähe von Greven zur Verfügung. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an die vorgenannten Pächter sowie Franz Bieker, Dr. Carlos Laguna, Elmar Jürgens, Stefan Heuel, Rainer Hesse, Mattias Dinter, Markus Gies, Ansgar Koch, BTO, Heinz-Otto Hütte, Benno Apke und Jürgen Kupsch, die alleine oder mit ihren Pächtergemeinschaften ihre, für die entscheidenden Prüfungsfächer geeigneten Reviere, uneingeschränkt zur Verfügung stellen.

Das stetig steigende Interesse an den Lehrgängen ist natürlich auch der qualifizierten Ausbildung geschuldet. Neben Tobias Puchberger, Elmar Jürgens, Ralf Arens und Mattias Dinter stehen  Susanne Schnepper seit geraumer Zeit und neuerdings Uwe Breiderhoff sowie Markus Gies in den Startlöchern um den Interessenten Hilfestellung zu geben.
Die Liste unserer Verbandsrichter beinhaltet zurzeit 7 Personen, eine weitere beginnt in absehbarer Zeit ihre Ausbildung.

Zu unseren Nachbarvereinen aus dem Siegerland und zum Oberberg pflegen wir eine freundschaftliche Verbindung. Dies äußert sich durch gegenseitige Mitgliedschaft, Unterstützung durch Richtertätigkeiten ja sogar durch zur Verfügung stellen eines Prüfungsrevieres. Auf Geselligkeit legen wir alle gesteigerten Wert.

Jetzt ist der Zeitpunkt an die Ehemaligen zu denken. Stellvertretend für alle die seit dem letzten Jubiläum verstorben sind, nennen wir Helmut Huckestein, Ausbilder, Richter, Hundezüchter und Ehrenvorsitzender, Kurt Halbe, Richter und langjähriger Ausbilder sowie Erich Bender als Richter. Sie haben sich, jeder auf seine Weise, in den Annalen dieses Vereins verewigt. Ihnen gebührt unser Dank, unsere Anerkennung und Hochachtung. Ein Drolshagener Original, -Heiner Stamm-, darf nicht unerwähnt bleiben. Er hat nie ein offizielles Amt im JGV bekleidet aber sein Revier über Jahre uneingeschränkt zur Verfügung gestellt. Ein Lehrgangsabend oder eine Prüfung ohne ihn war undenkbar. Mit seinem trockenen Humor, mit ungezählten Anekdoten und mit seinem gönnerhaften Verhalten ist er immer wieder Thema in geselliger Runde. Auch ihm ein herzliches Dankeschön und Waidmannsheil.

Höhepunkte unseres Vereins waren zweifelsohne der 1. Platz von Ralf Arens mit seinem Hund  „Cliff II vom Rödlberg“ bei der Hegewaldprüfung 2010 in Billerbeck. Robert Böhler konnte 2010 mit seiner StRhBr „Cliff vom Jägerborn“ den Suchensieg auf der 40-Stundenfährte bei der VSwP in Ehreshoven erringen. Christoph Köster wurde 2012 Suchensieger  mit der StBr „Askan vom Lupusforst“ bei der VSwP auf der 20 Stunden-Fährte in Ehreshoven. Eigner des Hundes war Baldur Neubauer. Werner Theile errang mit seiner DL-Hündin „ Eibe vom Extertal“  2003 einen hervorragenden 1. Preis auf der 20-Stundenfährte in Ehreshoven. Diese Prüfungen zählen zu den schwierigsten in Deutschland. Den Dreien gebührt auch heute noch ein herzliches Waidmannsheil.

Unsere Mitgliedschaft in der AG Schweiß währt nun Jahrzehnte. In dieser AG sind neben uns 6 weitere JGV aus dem Rheinland die sich der Nachsuchenarbeit verschrieben haben. In diesem Jahr ist unser Verein am 21./22. August wieder Ausrichter dieser allseits anerkannten Prüfung. An dieser Stelle möchte ich einen Satz nicht unerwähnt lassen, den ich in einem Buch von Konrad Esterl, einem Berufsjäger aus dem Bayrischen Oberland, gelesen habe. „Nachsuche ist Rot-Kreuz-Dienst an der geschundenen Kreatur“. Wie wahr! Hut ab vor unseren Schweißhundeführern, insbeondere Robert Böhler, Hans-Christian Müller und Ulf Muuß.

Seit 2009 lenken im geschäftsführenden Vorstand Elmar Jürgens (1. Vorsitzender), Tobias Puchberger (2. Vorsitzender), Hubertus Valpertz (Kassierer) und ich als Schriftführer die Geschicke des Vereins. Das geschieht in großer Harmonie, mit Selbstvertrauen, Kompetenz, Kenntnis der Materie in den verschiedenen Bereichen und mit Unterstützung des erweiterten Vorstands.

Eine Familie, ich könnte sagen eine Institution unseres Vereins, erwähne ich zum Schluss. Bernd Theile-Ochel und seine Gattin Elisabeth haben über Jahrzehnte die Geschicke des JGV Olpe beeinflusst, geprägt und gelenkt. Die Schaltstelle war in Buchhagen. Es war ein Leichtes für mich 2009 nahtlos die Aufgabe des Schriftführers zu übernehmen, da mir Bernd nach 35 Jahren seiner Tätigkeit eine geordnete, strukturierte und in allen Bereichen funktionierende Büroorganisation übergeben hat. Das hat mir die Arbeit sehr erleichtert und den Einstieg in die EDV-unterstützte Organisation des Vereins und der Prüfungen möglich gemacht.

Noch heute dreht sich in Buchhagen alles um den JGV. Ob es die BTR-Prüfung, das erste Treffen des Hundeführerlehrgangs oder der Welpenschule ist, der Garten in dem die jungen Vierbeiner ihre Ausbildung beginnen, ob es sich um den Kühlschrank handelt aus dem wir uns bedienen, ob es um Verpflegung geht die Elisabeth uneigennützig serviert. Immer geschieht alles selbstverständlich und mit großer Liebe und Freude. Monitäre Angebote werden kategorisch abgelehnt.

Zum Schluss wünsche ich dem Verein weiterhin den Erfolg den er nun 60 Jahre vorweisen kann. Den Hundeführern und Hundeführerinnen wünsche ich in den Lehrgängen ein gutes Händchen, für die Prüfungen viel Erfolg und Suchenglück und beim Ausfüllen der Anmeldebogen eine saubere Handschrift.

Vielen Dank !


Alexander Schmidt
-Schriftführer-
15. Juli 2015

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