Verbandsjugendprüfung (VJP) - was nun?

Vorbereitung zur VJP - was muss ich auf der VJP alles leisten?

Die Verbandsjugendprüfung (VJP) ist eine Anlagenprüfung für Vorstehhunde, die jedes Jahr im Frühjahr stattfindet. Es sind ausschließlich Vorstehhunde mit Papieren zugelassen, welche im vorhergehenden Kalenderjahr gewölft sein. Außerdem werden Hunde zugelassen, die bis zu drei Monate älter sind.

Um die oben gestellte Frage zu beantworten, sollte sich jeder Führer, der die Absicht hat einen Hund auf einer Zuchtprüfung vorzustellen, eine VZPO (Verbandszuchtprüfungsordnung) zulegen. Diese kann auf der Seite des JGHV als PDF heruntergeladen werden: jghv.de, Bereich Service, Prüfungsordnungen.

Hierin ist aufgeführt, was geprüft und wie bewertet wird. Um diese in der Prüfungsordnung aufgeführten Fächer zu absolvieren, sollte der Hund zur Förderung und Festigung der angewölften Anlagen entsprechenden Vorbereitungen unterzogen werden.

Wir nutzen also die nächsten Wochen zur VJP, um die jungen Hunde auf die bevorstehende Prüfung bestmöglich vorzubereiten.

Hasenspur

Um den Hund auf diese Arbeit vorzubereiten, lege ich entsprechende Schleppen. Für das Legen der Schleppe verwende ich der Einfachheit halber Trockenwild. Dieses kann man häufig verwenden und falls ein junger Hund im Apport noch nicht durchgearbeitet ist, besteht eine nicht so große Gefahr des Beutelns oder damit Spielens, wie bei normalem Wild.

Ich beginne damit, die ersten Schleppen über eine Distanz von ca. 300 m zu legen. Angelegt werden diese Schleppen über wechselndes Gelände, durch Gräben, über Wege und auch geteerte Nebenstraßen. Hiermit bezwecke ich, dass der Hund über den Verlauf der Schleppe und der damit verbundenen Schwierigkeiten lernt, sich zu konzentrieren. Die Schleppe beginnt wie immer mit einem Anschuss, an dem der Hund angesetzt wird. Bei der Ausarbeitung wird die lange Feldleine oder auch ein Schweißriemen verwendet. Wir haben uns beim Legen der Arbeit den Fährtenverlauf genau gemerkt und gekennzeichnet, so dass wir jederzeit in der Lage sind, den abgekommenen Hund zu korrigieren. Nun achten wir darauf, dass der Hund diese Fährte in ruhiger Gangart und mit tiefer Nase arbeitet. Dabei geben wir das Tempo an, nicht der Hund. Dies bedeutet, dass der stark an der Leine ziehende Hund durch uns gebremst wird, in dem wir einfach unser Tempo beibehalten und ihn dadurch über die Leine einbremsen. Nun ist es wichtig darauf zu achten, dass der Hund nicht wie wild hin und her läuft, um die Witterung der Fährte aufzunehmen. Dies unterbinden wir, in dem wir auf den Hund einwirken. Nun wird er wieder auf der Fährte angesetzt und wir folgen ihm, bis er am Stück angekommen ist. Hier lassen wir ihn das Stück aufnehmen und einige Meter tragen. Dann lassen wir den Hund vor uns sitzen und nehmen das Stück Wild mit dem entsprechenden Kommando aus. Nun wird gelobt und ein Stück Wurst o.ä. gegeben. Zeigt der Hund, dass diese Arbeit für ihn ein leichtes war, wird die Länge der Schleppe Schrittweise bis auf ca. 1000m erhöht. Zusätzlich wird die Stehzeit der Schleppe bis auf eine Stunde angehoben. Mit dieser Vorübung werden die Hunde auf die Spurarbeit vorbereitet.

Nun ist es notwendig, in ein gut besetztes Niederwildrevier zu fahren, um den so vorbereiteten Hund auf der echten Hasenspur einzuarbeiten. Hier gehen wir ähnlich vor, wie bei der künstlich gelegten Schleppe. Den ersten Hasen werden wir an der langen Leine arbeiten, um so dem Hund eine kontrollierte und konzentrierte Arbeit abzuverlangen, und ihn wenn notwendig zu unterstützen. Wir arbeiten grundsätzlich nur den für den Hund nicht mehr sichtigen Hase. So vermeiden wir, dass sich die Hunde auf das Auge einarbeiten. Dies geschieht sehr schnell, sobald die Hunde mehrfach zum Erfolg kommen, in dem sie während der Arbeit ständig die sichtigen Hasen hetzen. Auch hierbei ist es erforderlich das wir uns die Spur, die der Hase gelaufen ist merken, um den evtl. abgekommenen Hund zu korrigieren. Zeigt der Hund hierbei eine vernünftige Leistung, suchen wir einen weiteren Hasen und versuchen den Hund hier mittels Ablaufleine anzusetzen. Wir gehen solange mit dem Hund mit, bis er sich an der Spur festgesaugt hat. Nun lassen wir den Hund von der Leine ablaufen. Wir beobachten den Hund bei seiner Arbeit und gehen ein Stück hinterher. Kommt er schnell von der Spur ab, warten wir bis der Hund wieder bei uns ist, um ihn nochmals anzusetzen. Wieder gehen wir hinterher. Nur so können wir dem suchenden Hund die Sicherheit geben, dass dies der richtige Weg ist. Wichtig dabei ist, sich die Hasenspur vorab sorgfältig einzuprägen, um den Hund sinnvoll unterstützen und korrigieren zu können.

Diese Übung wiederholen wir 3-4 Mal, bis wir der Meinung sind, dass der junge Hund die Spur gut anfällt, arbeitet und hält. Sobald wir der Meinung sind, dass die gezeigten Arbeiten sehr gut sind, hören wir auf, die Übung ständig zu wiederholen. Denn die Gefahr des Hetzens mehrerer Hasen und der daraus resultierenden rein sichtigen Arbeit ist sehr groß.

Vorstehen

Da wir nun einmal im Revier unterwegs sind, verbinden wir die Arbeit an der Hasenspur mit der Übung zum Vorstehen. Das bereits an der Reizangel vorgeprägte Vorstehen auf Sicht wird nun im Revier auf Witterung vertieft. Auf der Suche nach den Hasen werden wir jede Sasse nutzen, um mit dem an der langen Leine gesicherten Hund in den Wind der Sasse zu gehen. Hierbei halten wir die Leine auf Spannung und versuchen, dass der Hund in die gewünschte angespannte Haltung zum Vorstehen kommt. Wir lassen dem Hund keine Möglichkeit, sofort in die Sasse zu einzuspringen. Kommt er zum Vorstehen, reden wir ruhig mit „steh…steh so ist recht“ auf ihn ein. Dabei versuchen wir mit angespannter Leine seitlich an den Hund heranzugehen und nach Möglichkeit über den Rücken zu streicheln. Gelingt dies bis zum Ende, tragen wir den Hund kurz ab und loben ihn herzlich. Nach kurzem Lob können wir nun noch die Spur ausarbeiten, in dem der Hund hinter der Sasse angesetzt wird. Sollte der Hund in einem Zuge in die Sasse einspringen wollen, trillern wir den Hund herunter und legen diesen in den Wind der Witterung und lassen den Hund dort 5 Minuten liegen. (Voraussetzung ist das eingearbeitete Down/Halt.) Dies machen wir bei allen Arbeiten, bei denen der Hund einspringen will. Die oben beschriebene Arbeit wiederholen wir immer wieder, bis der Hund das gewünschte Vorstehen zeigt. Zusätzlich üben wir entsprechend mit der langen Leine an Hecken entlang, um den Hund am Flugwild zum Vorstehen zu bringen. Hier gilt gleiches wie oben beschrieben. Erst wenn der Hund sicher an der langen Leine vorsteht, gehen wir dazu über, ihn in der freien Suche an Wild zu bringen. Dann sollte das Vorstehen keine Probleme mehr verursachen.

Gehorsam

Auch wenn es sich um eine Jugendsuche handelt, sollte der Gehorsam bereits recht gut sitzen. Denn der Gehorsam ist die Grundlage für alle Arbeiten des Hundes. Hierauf legen wir nun in den letzten Wochen vor der VJP besonders großen Wert. Bei allen Arbeiten an der Leine lassen wir keinen Platz für eine Eigendynamik des Hundes. Was wir verlangen, wird umgesetzt. Dies fängt bei den einfachen Arbeiten wie Sitz, Platz und Ablegen an, geht weiter über die Arbeiten auf Distanz und das herein pfeifen. Wir üben täglich die Leinenführigkeit, das Ablegen, das Sitzen und das herum gehen um den sitzenden und liegenden Hund.

Hereinpfeifen: Auf einer Distanz von min. 10 m bleiben wir hinter dem Hund stehen und holen diesen auf einmaligen Doppelpfiff zu uns heran. Kommt er nicht direkt, so nehmen wir sofort die Leine zur Hilfe, in dem wir diese auf starke Spannung bringen und mittels eines starken Rucks den Hund auf uns zu ziehen. Kommt dieser nun ohne Umweg, wird er gelobt und genossen gemacht. Diese Übung wird des öfteren wiederholt. Aber Achtung: Da der Hund schnell lernt, wird er sich die Bewegungen merken, die wir per Körpersprache vor dem Pfeifen herüber bringen. Dies führt dazu, dass bei mehrfacher Wiederholung der Hund schon auf uns zuläuft, sobald wir die Pfeife nur Richtung Kopf bewegen. Passiert dieses, wird der Hund korrigiert und sofort wieder zu der Stelle gebracht, an der er zuvor gesessen hat. Dies bedeutet dass wir diese Übung abwechseln müssen und den Hund auch immer wieder einmal an seiner Sitzstelle abholen.

Down: Die Downübung kann nun in der verbleibenden Zeit jeden Tag bis zur VJP geübt werden. Da die Hunde in diesem Alter bereits alle vorbereitet sind und das Down schon kennen, müssen wir diese Übung nur vertiefen. Dies bedeutet, dass wir die Downübungen nun steigern und soweit vertiefen, dass wir den Hund auf Distanz herunter trillern können. Diese Übungen nehmen sicherlich einige Zeit in Anspruch, was uns aber im Umgang mit dem Hund jederzeit entgegenkommt. Hierbei beobachten wir die Hunde genau, um evtl. Einschüchterungen durch diese Übungen frühzeitig zu erkennen. Wichtig ist, dass die Hunde nach diesen Übungen wieder entspannen können und freundliche Worte von dem Führer zu hören bekommen. Grundsätzlich beenden wir diese Übungseinheiten mit der Leinenführigkeit und einfachen Übungen, um evtl. Auseinandersetzungen wieder ausklingen zu lassen. Ein positives Ende finden und mit Lob nicht geizen, ist hier die Devise.

Diese Arbeiten steigern wir, bis der Hund auf eine Distanz von 50m in die Downlage geht. Am Wild, besonders an Hasen, gehen wir mit Fingerspitzengefühl heran, da wir wollen, dass der Hund die Hasenspur weiterhin arbeitet, und nicht verweigert. Die genaue Vorgehensweise zur Ausbildung des Down ist im Buch "Der Jagdgebrauchshund" von Carl Tabel sehr gut beschrieben.

Quersuche

Wenn es bis jetzt noch nicht begonnen wurde, ist es an der Zeit, mit den Übungen zur Feldarbeit zu beginnen. Wir suchen uns eine Wiese, welche rechts und links eine optische Abgrenzung hat. Damit meine ich entweder einen Zaun, Weg oder Bewuchswechsel, alternativ auch Kombinationen hieraus. Dies hilft den jungen Hunden, sich auf die Arbeit innerhalb dieser Flächen zu begrenzen. Es ist einfacher einen Hund zwischen einer optischen Abgrenzung zu dirigieren, als in einer mehrere Hektar großen einheitlichen Fläche. Daher nutzen wir zum Anlernen des jungen Hundes in der Suche möglichst passende Flächen nach oben genannten Kriterien.

Nun beginnen wir, indem der Hund sich neben uns setzt und wir ihm die Halsung abnehmen. Loslaufen darf er allerdings erst, nachdem wir es ihm mit einem Befehl klar und deutlich erlauben. Nun gehen wir, unter deutlichem Sichtzeichen des ausgestreckten Armes, in die Richtung in die der Hund seine Suche beginnen soll. Wir folgen ihm kurz, so dass er in seiner Meinung unterstützt wird, dass es richtig ist in diese Richtung zu suchen. Ist der Hund ca. 50m von uns entfernt, schlagen wir die entgegengesetzte Richtung ein. Hierbei wird der Hund nicht durch einen Pfiff oder Ruf zum Folgen animiert. Wir warten bis er Blickkontakt sucht, spätestens jetzt wird der Hund seine Laufrichtung von selber ändern und in unsere Richtung laufen. Wir führen unsere eingeschlagene Richtung weiter fort, sobald der Hund nun bei uns, bzw. an uns vorbeigelaufen kommt, animieren wir mit ruhiger Stimme weiter in die von uns eingeschlagene Richtung zu suchen. Nun beginnt der Ablauf wieder von vorne, sodass wir immer einen Richtungswechsel vornehmen, nachdem der Hund an uns vorbeiläuft und ca. 50m entfernt ist. Wir pfeifen nach Möglichkeit gar nicht, denn je weniger wir pfeifen, je mehr wird der Hund versuchen uns im Blick zu haben, um selbst den Kontakt zu halten. Dies unterstützt die Entwicklung der Führigkeit. Ebenso bekommt jeder Hund nach dem Hereinkommen und sich neben mich Setzen ein Leckerchen. Dies bezweckt, dass er gerne zurück kommt um sich etwas Gutes abholen zu dürfen. Hiermit wird die Bindung positiv unterstützt. Ansonsten verzichte ich, außer bei den Apportierarbeiten, gänzlich auf Leckerchen.

Selbst wenn wir in Revieren wohnen in denen es kein Niederwild gibt, können wir diese Arbeit jeden Tag üben. Dabei achten wir aber darauf dass der Hund immer gegen den Wind arbeitet, um so seinen Nasengebrauch zu fördern. Beherrscht der Hund die Suche, werden entsprechende Reviergänge in gut besetzten Niederwildrevieren geübt.

Führigkeit

Auf die Führigkeit bin ich bereits beiläufig während der Quersuche eingegangen. Die Führigkeit ist im Gegenteil zum Gehorsam das, was der Hund von sich aus dem Führer entgegen bringt. Das bedeutet z.B. wie er während der Arbeiten immer wieder versucht, den Blickkontakt zum Herrchen herzustellen, wie er sich nach dem Verfolgen von Wild beim Zurückkehren oder beim An- und Ableinen verhält. Dies kommt in erster Linie vom Hund, kann jedoch während des Heranwachsens der Hunde positiv geprägt werden. Den Gehorsam dagegen verlangen wir vom Hund. Eine positive Beeinflussung, die hier zu nennen wäre, ist dass wir bei der Einarbeitung der Suche so wenig wie möglich pfeifen, um den Hund daran zu gewöhnen, sich mit dem Auge auf uns zu konzentrieren und uns nicht aus dem Blick lassen. Ferner ist es immer hilfreich, beim Hereinkommen des Hundes eine Belohnung in der Tasche zu haben. Die jungen Hunde müssen gerne zu uns kommen wollen, dabei hilft halt etwas Schmackhaftes in der Tasche. Diese Kleinigkeiten, täglich angewendet, können dabei sehr hilfreich sein.

Nasengebrauch

Der Nasengebrauch wird während aller Arbeiten des Hundes bewertet. Dieser zeigt sich im häufigen Markieren bzw. Finden von Wild. Wie er anzieht, vorsteht oder sich beim Kreuzen von Spuren verhält.

Ich hoffe, mit diesem Überblick etwas Hilfreiches für die letzten Wochen vor der VJP geben zu können.

 

Autor: Tobias Puchberger, 06.03.2015

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